Akteur:in: Meyer, Felix

Meyer, Felix
1. Feb 1653 – 11. Jun 1713

∗ 1.2.1653 Wülflingen (Winterthur), † 11.6.1713 Schloss Wyden bei Ossingen Winterthur (ZH)

Maler, Zeichner, Radierer und Freskant. Landschaften. Fresken im Stift St. Florian bei Linz

Zwölfter Sohn des Prädikanten Hans Heinrich Meyer und der Elsbeth Meyer, geborene Troll. Um 1666–67 erster Malunterricht in Winterthur. 1668–1673 Nürnberger Lehrzeit beim Porträtisten Melchior Balthasar Krieger, später beim Landschafter Johann Franz Ermels. Bekanntschaft mit Willem van Bemmel, Johann Oswald Harms, Johann Heinrich und Johann Melchior Roos. 1673 nach Italien, in Mailand aber Abbruch der Reise wegen Krankheit und Rückkehr nach Winterthur. 1675 Heirat mit Sarah Biderman. Zwei seiner Söhne, Hans Heinrich und Felix Meyer der Jüngere, wurden ebenfalls Maler.

1674–1705 führte er Radierungen für das Winterthurer Neujahrsblatt aus (Allegorien). In Nürnberg erschienen vor 1698 bei Johann Jakob Sandrart das Landschafts-Büchlein, um 1700–05 bei Johann Christoph Weigel zwölf Schweizer Landschaften. 1678–1681 war er Lehrmeister von Jakob Sulzer, 1688 wurde er Rottenmeister im Winterthurer Offizierscorps. 1696 nochmals Reise nach Nürnberg und Bekanntschaft mit Georg Philipp Rugendas. 1697 wurde er Winterthurer Grossrat.

1699–1703 weilte Meyer in Bern, wo er die Maler Johannes Dünz, Johann Rudolf Huber und Joseph Werner kennenlernte und von wo aus er Studienreisen in die Berge unternahm. Durch Vermittlung des Zürcher Arztes Johann Jakob Scheuchzer entwarf er 1703–04 für den Bologneser Universalgelehrten Conte Luigi Ferdinando Marsigli 32 Bilder schweizerischer Naturphänomene (nicht erhalten). Dank Beziehungen zum kaiserlichen Gesandten in der Schweiz, Graf Trautmannsdorf, konnte er zahlreiche Landschaften für ausländische Höfe malen, so 1707 unter Mitarbeit des Sohnes Hans Heinrich Fresken für zwei Räume des Stifts St. Florian bei Linz. Darauf erhielt er einen Auftrag für grossformatige Landschaftspanneaux in Genf (nicht erhalten). Um 1708 dekorierte er für den kaiserlichen General Hans Heinrich Bürkli Räume des Schlosses Trüllikon (nicht erhalten). Da er aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges ab 1703 keine Gemälde in Deutschland verkaufen konnte, bewarb er sich um die Stelle des Amtsmanns auf Schloss Wyden, die er 1709–1713 ausübte.

Felix Meyer ist der bedeutendste Zürcher Landschaftsspezialist der ausgehenden Barockzeit. Er belebte die nach Conrad Meyers Tod stagnierende schweizerische Landschaftsmalerei wieder und war vor allem in Zürch für deren Weiterentwicklung wegweisend. Über einen bedeutenden Teil der im Ausland ausgeführten Hauptwerke gibt es keine Nachrichten. Es dürfte sich um grössere Aufträge in der Art der Wandmalereien in St. Florian handeln.

Zudem gilt Meyer als wichtigster Vermittler der niederländischen Italianisten in der Schweiz. Er empfing künstlerische Anregungen von seinen Nürnberger Malerfreunden, die ihm die Ideallandschaften von Nicolaes Berchem, Jan Both, Frederick de Moucheron und Johannes Glauber vermittelten. Eine erste direkte Rezeption holländischer Landschaftsmalerei in der Schweiz war zuvor über Jan Hackaert erfolgt, der 1655 mit Conrad Meyer die Schweiz bereist hatte. Daneben blieb Felix Meyer dem romanisierenden Landschaftstyp von Claude Lorrain, Gaspard Dughet, Nicolas Poussin und Salvator Rosa verpflichtet. Seine Landschaften bewegen sich zwischen nüchterner Naturbeobachtung und antikisierender, heroisierender Komposition von bühnenhaftem Charakter. In die mit topografischen und architektonischen Versatzstücken angereicherten Szenerien sind Staffagefiguren eingesetzt; diese malte bis 1696 Johann Melchior Roos und ab 1696 Georg Philipp Rugendas.

Einige während der Berner Zeit entstandene Gemälde gehören zu den ersten Darstellungen einer Hochgebirgslandschaft mit Gletscher. Wie die vor Ort ausgeführten Zeichnungen verraten sie ebenso grosses Interesse für die Topografie wie für Naturphänomene. Meyers Werk markiert die Anfänge der Alpenmalerei. Dieses Spezialfach fand Mitte des 18. Jahrhunderts im Schaffen Caspar Wolfs einen ersten Höhepunkt.

Werke: Kunstmuseum Winterthur; Winterthur, Rathaus, Stiftung Jakob Briner; Wandmalereien mit Landschaften, unter Mithilfe seines Sohnes Hans Heinrich Meyer, 1707 (Staffage vom Wiener Schlachtenmaler Ferdinand Kien, 1713), St. Florian bei Linz, Augustinerchorherrenstift, Prinz-Eugen-Zimmer (ehemaliges Soldatenzimmer) und Jagdzimmer (ehemaliges Alexanderzimmer); Kunsthaus Zürich; Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung.

Michael Tomaschett, 1998, aktualisiert durch die Redaktion, 2015

Zitiermethode: Michael Tomaschett: «Felix Meyer». In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz, 2015 (erstmals publiziert 1998).

Meyer, Felix erscheint in

 
Signatur Titel Datum Verzeichnungsstufe Sonstiges
KAE, GSA/112.5 Flusslandschaft mit Dorf. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.6 Prospect eines Wasserfahls in Underwalden. (sic!) 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.7 Morsee (Könnte aber gut die Gegend um Morges sein, weil die Schlossanlage exakt so gezeichnet ist.) 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.8 Girsberg. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.9 Prospect bey Thun in der Landtschafft Bern. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.10 Prospect eines Gebirg und Wasserfahls in Pündten ob Meyenfeld ohnweit Aspermont. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.11 Blick auf Untervaz. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.12 Prospect einer Spelunc und Wasserfahls in Underwalden. 1670 – 1713 Einzelstück: 1 Bild
KAE, GSA/112.13 Der Rhone - Gletscher, in der Landschaft Wallis. 1670 – 1713 Einzelstück: 2 Bilder
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